Wildpferdefang

Immer am letzten Samstag im Mai werden die Pferde in der Arena zusammengetrieben, um die einjährigen Hengste zu fangen. Der Wildpferdefang im Merfelder Bruch zeigt seit über 100 Jahren, wie gelebte Tradition und verantwortungsvoller Umgang mit Natur und Tier zusammengehen.

Für den Erhalt der Wildpferde ist es notwendig, die ab einem Jahr geschlechtsreif werdenden Hengste von der Herde zu trennen. Gefangen wird mit der Hand, wobei die Fangmethode in Zusammenarbeit mit Vertretern des Tierschutzes kontinuierlich weiterentwickelt wird. Sie bekommen dann ein Halfter und einen Mikrochip zur Kennzeichnung, bevor sie anschließend verkauft werden.

Der Übergang aus der Freiheit in die menschliche Obhut ist eine große Veränderung, doch dank ihres ausgeglichenen Charakters gewöhnen sich die Dülmener schnell an ihre neue Umgebung. Die jungen Hengste sind bekannt für ihre Lernfreude und Gelassenheit. Sie eignen sich besonders gut als Reitpferde für Kinder, Freizeit- und Kutschpferde. Ihr ruhiges Wesen qualifiziert sie außerdem für das therapeutische Reiten.

Wildpferdefang 2026: zur Arterhaltung der letzten naturselektierten Wildpferdeherde in Europa

Am 30. Mai werden im Merfelder Bruch wieder die Junghengste aus der Herde gefangen – ein notwendiger Akt des Artenschutzes, wissenschaftlich begleitet und stetig weiterentwickelt. Rund 400 Wildpferde leben im Naturschutzgebiet Merfelder Bruch bei Dülmen – die letzte naturselektierte Herde auf dem europäischen Kontinent. Seit 1316 dokumentiert, seit 1847 unter dem Schutz der Familie von Croÿ. 

Hintergrund und Notwendigkeit 
Die Wildpferde im Merfelder Bruch leben weitgehend ohne menschliche Eingriffe – sie kennen weder Stall noch Tierarzt, haben nie Sattel oder Zaumzeug getragen. Doch das etwa 500 Hektar große Naturschutzgebiet setzt der Herde natürliche Grenzen. „Wenn die einjährigen Hengste geschlechtsreif werden, würden sie in freier Natur durch den Althengst aus der Herde vertrieben und sich zu Junggesellenverbänden zusammenschließen, bevor sie später dann um ihre eigene Stutenherde kämpfen“, erklärt Friederike Rövekamp, die als Forstoberinspektorin den Fang seit dem Jahr 2000 leitet. „Im räumlich begrenzten Merfelder Bruch ist das nicht möglich. Ohne den Fang käme es zudem zu rivalisierenden Kämpfen der Junghengste – mit möglichen Verletzungen und Stress für die gesamte Herde.“ Der Fang der Junghengste ist daher unabdingbar.
Wissenschaftlich begleitet, stetig verbessert
Seit 2007 wird der Wildpferdefang von Dr. Willa Bohnet, Verhaltensbiologin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, wissenschaftlich begleitet. Sie schult die Fänger im Umgang mit den Tieren – mit messbarem Erfolg. „Der Kern ist nicht, eine Methodik zu erlernen, sondern sich in die Pferde hineinzuversetzen“, so Rövekamp. Wildpferde sind Fluchttiere und den direkten Kontakt mit Menschen nicht gewohnt. Daher versuchen die Fänger den Jährlingen im Stehen in einer sog. Fangecke das Halfter überzustreifen – ruhig und schonend für Tier und Fänger. Das Fangen mit der Hand hat sich in den Jahrzehnten als die beste Fangmethode etabliert. Dennoch arbeiten die Verantwortlichen stetig an Verbesserungen zum Wohl der Pferde und zum Schutz der Fänger. Die erfahrenen Stuten kennen die Situation in der Arena und reagieren wenig beeindruckt auf die besetzten Zuschauerränge. Es werden nur noch die Familienverbände in die Arena getrieben, die einen Junghengst in ihren Reihen haben – eine Methode, die die Anzahl der Pferde in der Arena erheblich reduziert und sich bewährt hat. 
Verantwortung über den Fang hinaus
Die gefangenen Junghengste werden im Anschluss an den Fang versteigert. Eine kurze Phase der Akklimatisierung über Nacht soll den Junghengsten den Start in das neue Leben erleichtern, bevor diese am nächsten Morgen von ihren neuen Besitzern abgeholt werden. Ein Netzwerk aus erfahrenen Wildpferdehaltern und Interessenvereinigungen sowie die Herzog von Croÿ’sche Verwaltung unterstützen die neuen Eigentümer bei Bedarf in Fragen der Haltung und Ernährung.
Der Wildpferdefang ist keine profitorientierte Veranstaltung 
Die Eintrittsgelder und die Erlöse aus der Versteigerung der Junghengste reichen nicht aus, um die Kosten für die Unterhaltung der Herde und des Biotops zu decken. Nur durch zusätzliche, unterjährige Einnahmen kommt es zu einer Kostendeckung. „Es geht um die Erhaltung eines einzigartigen Naturerbes – die letzte durchgängig naturselektierte Wildpferdeherde Europas“, betont Rövekamp.

(C) Herzog von Croÿ'sche Verwaltung | Fotos: Fabian Simons