Verhalten in der Herde 

Die Herde besteht aus mehreren Familienverbänden. Jeder dieser Gruppen (etwa 3-15 Pferde) wird von einer Leitstute angeführt. Die Gruppen haben untereinander auch eine Rangfolge und orientieren sich aneinander. Diese klaren Strukturen sorgen für Ruhe, Ordnung und Stabilität innerhalb der Herde.In diesen Kleingruppen geben die Pferde Verhaltensweisen weiter, die ihnen helfen in freier Wildbahn zu überleben. Sie gucken sich voneinander ab, wie man sich richtig ernährt und pflegt, um gesund zu bleiben.

Wie andere Wildtiere, werden auch die Pferde im Merfelder Bruch nicht durch einen Tierarzt betreut. Durch natürliche Selektion bleibt die Herde selbständig und möglichst unabhängig vom Menschen.

Zur Nahrungsergänzung ist die Rinde einiger Baumarten wichtig. Der Wald spielt deshalb, neben der Schutzfunkton, für die Tiere eine große Rolle. Um übermäßigen Verbiss zu vermeiden, wird im Winter mit Heu zugefüttert. Fellpflege findet durch Sandbäder statt. Das gegenseitige Beknabbern der Tiere stärkt eher die sozialen Bindungen innerhalb der Herde. In den Sommermonaten stehen die Wildpferde meist auf der Wiese. Um sich gegenseitig mit dem Schweif die Fliegen vertreiben zu können, rücken sie manchmal eng zusammen. Im Winter dagegen suchen die Tiere vorwiegend im Wald Schutz. Eng aneinander gedrängt wärmen sie sich gegenseitig.

Einmal im Jahr kommt ein Hengst zu Besuch in die Herde. Er soll sich dort während einer begrenzten Zeit fortpflanzen. Dieser Hengst lebt, das restliche Jahr über, mit anderen Hengsten, in Merfeld. So lässt sich die Zahl der Fohlen begrenzen und Inzucht vermeiden. Nach 11 Monaten werden die Fohlen geboren. Die Geburt findet mitten in der Herde statt. Kurz nach der Geburt allerdings geht die Stute mit ihrem Neugeborenen häufig etwas von der Gruppe weg, damit sie sich ungestört näher kennen lernen können. Die meisten Fohlen werden im April geboren und etwa ein Jahr gesäugt. In der Regel beendet die Geburt des nächsten Kindes dann diese enge Mutter- Kind -Beziehung.

(C) Herzog von Croÿ'sche Verwaltung | Fotos: Fabian Simons