Seit wann gibt es Pferde im Merfelder Bruch?
Die Herde existiert schon seit frühesten Zeiten im Merfelder Bruch und wurde bereits im Jahr 1316 urkundlich erwähnt. Damals umfasste ihr Lebensraum eine Fläche von mehreren tausend Hektar. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ihnen durch die herzogliche Familie von Croÿ ein mittlerweile etwa 500 ha großes Reservat geschaffen.
Warum leben die Pferde dort?
Die Pferdeherde im Merfelder Bruch hat keinen wirtschaftlichen Nutzen. Sie erinnert an die Zeiten, als es noch an mehreren Stellen Westfalens derartige Herden gab und dient heute dem Natur- und Artenschutz.
Ist der Dülmener eine eigene Pferderasse?
Der Dülmener ist keine Rasse im eigentlichen Sinne, denn Rassen entstehen durch Zucht, indem Tiere auf bestimmte Ziele hin selektiert und gezüchtet werden. Der vom Menschen geförderten Zucht von Tieren sind zwei Dinge gemeinsam und unabdingbar: zum einen kann der Mensch nur nach Kriterien züchten, die er sehen und messen kann; zum anderen bedeutet die Zucht auf bestimmte Ziele hin eine Verengung der Erbanlagen (Genpool). Gesundheit, natürliches Instinktverhalten (angeborenes Verhalten) und weitere natürliche Verhaltensweisen können dabei verloren gehen. Vor allem geht wertvolles, ursprüngliches Erbgut der Schöpfung unwiederbringlich verloren. Das ist bei den Dülmener Wildpferden nicht der Fall – sie sind die letzte naturselektierte Pferdeherde in Europa.
Wie groß ist die Herde?
Im Merfelder Bruch lebt eine Herde von rund 400 Dülmener Wildpferden.
Werden die Pferde betreut?
Die Herde wird täglich von Mitarbeitern kontrolliert. Dabei steht im Mittelpunkt, den Pferden gute und naturnahe Lebensbedingungen im Merfelder Bruch zu erhalten. Bei Bedarf werden die Tiere mit Wasser versorgt und in den Wintermonaten zusätzlich mit Heu unterstützt.
Begleitet ein Tierarzt die Herde?
Grundsätzlich lebt die Herde weitgehend ohne menschliche Eingriffe. Innerhalb der Familienverbände übernehmen die Leitstuten eine wichtige Rolle für das Überleben der Tiere. So kann die natürliche Entwicklung der Herde und damit auch die natürliche Selektion weitgehend erhalten bleiben.
Wird die Herde im Winter zugefüttert?
Ohne zusätzliche Fütterung würden die Pferde im Winter junge Bäume und Pflanzen stark schädigen und damit langfristig ihren eigenen Lebensraum gefährden. Durch die Zufütterung von Heu wird der Wald als wichtiger Rückzugs- und Lebensraum geschützt.
Gibt es natürliche Wasserstellen im Gelände?
In den Sommermonaten wird Grundwasser in Tränkebecken gepumpt, damit die Wasserversorgung der Herde gesichert bleibt.
Wie werden die Wildpferde geschützt?
Für die Erhaltung des Wildpferdes ist die Erhaltung des Lebensraums unabdingbar. Arterhaltung ist immer auch Naturschutz. Damit dieser Schutz gewährleistet ist, ist die Wildbahn seit fast 200 Jahren gezäunt und ist seit 1956 Naturschutzgebiet. 2022 ist der Zaun durch eine wolfssichere Variante ersetzt worden.
Wann kann ich die Wildpferdeherde besichtigen?
Die Wildpferdebahn ist von März bis zum 1. November samstags und sonntags sowie an Feiertagen in NRW von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet. Führungen können darüber hinaus für Gruppen auch außerhalb dieser Öffnungszeiten gebucht werden.
Warum gibt es den Wildpferdefang einmal im Jahr?
Für den Erhalt der Wildpferde ist es notwendig, die ab einem Jahr geschlechtsreif werdenden Hengste aus der Herde herauszufangen. Am schonendsten für die Pferde ist der Fang in der Arena durch den Menschen von Hand und ohne Hilfsmittel. Das anschließende Leben in der Obhut des Menschen bedeutet für den Wildling zwar den Verlust seiner Freiheit in der Wildpferdebahn, andererseits gewöhnt er sich bei artgerechter Haltung schnell an seine neue Umgebung und das Leben mit dem Menschen.
Wann ist der Wildpferdefang?
Der Wildpferdefang findet seit 1907 alljährlich am letzten Samstag im Mai statt.
Wer darf mitfangen?
Die Fänger haben alle eine räumliche Nähe zum Merfelder Bruch. Oft haben ihre Väter und Großväter schon beim Wildpferdefang mitgeholfen. Voraussetzung für den Fang ist die Teilnahme an einer Schulung, die eine Verhaltensbiologin jährlich durchführt und welche die Fänger für den Fang und die Pferde sensibilisiert.
Wer genehmigt die Veranstaltung?
Die Veterinärbehörde genehmigt den Fang und überwacht die Einhaltung der tierschutzrechtlichen Bestimmungen am Fangtag und auch beim Verladen der Junghengste.
Ist der Wildpferdfang Stress für die Tiere?
Eine wissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 2008 hat ergeben, dass die Belastung der Pferde individuellen Schwankungen unterliegt, sich aber insgesamt in einem vertretbaren Rahmen bewegt. Weiter konnte festgestellt werden, dass der Hauptstressor nicht die vielen Menschen und/oder die Lautstärke in der Arena sind, sondern das „erste angefasst werden“ durch den Menschen. Das Anfassen ist aber für die weitere Versorgung und die anschließende Betreuung unerlässlich.
Bleiben die jungen Stuten alle in der Herde?
Ja, damit die Herde aber nicht kontinuierlich wächst, wird die Fortpflanzung durch eine begrenzte Decksaison reglementiert.
Was passiert mit den jungen Hengsten nach dem Fang?
Die Jährlingshengste werden im Anschluss versteigert. Sie verlieren schnell die Scheu vor dem Menschen und gewöhnen sich an ihre neue Umgebung. Ihnen wird ein kluger, gutmütiger, genügsamer, vor allem aber ein gelassener Charakter nachgesagt. Daher sind sie als Reitpferde für Kinder oder auch als Kutschpferde sehr beliebt.
Wem kommt der Erlös aus der Versteigerung zugute?
Der Erlös kommt dem Erhalt der Wildpferde und ihres Lebensraums zugute.